Wunder…

Nach etwa drei Wochen der Stille, gibt es jetzt zumindest wieder einen Beitrag im Mitmachblog.

MitmachBlog

Tage vergingen. Weitere Tage vergingen. Wochen vergingen. Ich rieb an der Lampe. Und rieb. Und rieb.

Und rieb.

Doch es erschien kein Flaschengeist, um mir einen Wunsch zu erfüllen. Nicht mal, um mir wenigstens einen fertiggestellten Beitrag in die Entwurfsliste meines WordPress-Admin-Panels zu zaubern oder mir den Schlüssel für mein neues Haus in Lappland zu überreichen. Es erschienen lediglich schmerzende, blutige Blasen an meinen Fingern. Vom vielen nervösen, ungeduldigen und mit Fortschreiten der Zeit leicht aggressiven Reiben an der Lampe. Vielleicht sollte man sie in Wundenlampe umbenennen. Schmerzerfüllt, statt Wunsch erfüllt. Naja, wenigstens etwas. Und während des Heilungsprozesses der Wunden an meinen Fingern, stellte sich sogar ein blaues Wunder ein.

Wunder. Was ist das überhaupt? Etwas außergewöhnliches, nicht erklärbares, den Naturgesetzen und Erfahrungen widersprechendes? Nun, das trifft auf einige Dinge zu. Aber handelt es sich deswegen gleich um Wunder? Ist die menschliche Totalverdummung, die sich neuerdings in Form suizidgefährdeter Lemminge…

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Auf der Seite des Wetters

In dieser Woche wird/wurde im Mitmachblog über das Wetter gemotzt. Oder auch nicht.

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Neue Woche, altes Wetter, neues Thema. In dieser Woche motzen wir also ausgiebig über das Wetter. Theoretisch. Denn ich widersetze mich gerne der Mehrheit und frage mich, während so viele übers Wetter wettern, ob es dazu überhaupt einen Grund gibt?

Ein Blick durchs Fenster: Wolken, leichter Regen.
Ein Blick auf das Thermometer: 18°C.
Ein Blick in den Kalender: Juli

Ein Blick in die Vorhersage meiner optimistischen Wetter-App verrät mir, dass das Wetter in den nächsten sieben Tagen so bleibt, wie es in den vergangenen 14 war. Man kann es als stabil bezeichnen. Kein Grund also, über unbeständiges Wetter zu motzen. Die Tatsache, dass sich Hamburg auf der Nordhalbkugel befindet und der Juli eigentlich ein Sommermonat ist, bringt ein wenig Verwirrung ins Spiel. Diese wird während eines kleinen Regenspaziergangs aber schnell davon gespült. Die leicht erhöhte Temperatur der herabfallenden Regentropfen dient als Beweis für den Sommer. Im Januar ist der Regen definitiv…

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Musikalischer Monatsrückblick – Juni’16 (#4)

Der heutige Monatsrückblick wird mit einem erweiterten Kommentar zu Zeilenendes Beitrag Dampf auf die Ohren eingeleitet. Denn seine Frage nach den Beziehungen zwischen Literatur und Musik brachte mich dazu, mich etwas intensiver damit zu befassen und meine Musiksammlung nach Künstlern und Alben zu durchsuchen, deren Musik sich an literarischen Vorlagen orientiert. In manchen Fällen ist es noch einfach, den Bezug zur Literatur zu erkennen. Wie in diesem Beispiel:


Na, welches literarische Werk diente hier wohl als Vorlage?

Der Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein arbeitet(e) sogar mit verschiedenen Künstlern des Rock-/Metal-Genres zusammen. Zum Beispiel mit Manowar (Thunder In The Sky), Vanden Plas (Chronicles Of The Immortals) und Schandmaul (deren Sänger sich übrigens auch für sein Nebenprojekt Weto gerne mal bei Hohlbein bedient):


Diverse Mittelalter-Bands interpretieren gerne alte Texte neu. Herr Mannelig, die Merseburger Zaubersprüche oder das Palästinalied sind nur wenige Beispiele dafür. Hammerfall liefern mit Hearts On Fire eine Anspielung auf Erich Weinerts heimlichen Aufmarsch, die Toten Hosen vertonten die Gedichte Im Nebel und Stimmen aus dem Massengrab und Grave Digger veröffentlichten Konzeptalben über die Nibelungensage (Rheingold) und König Artus (Excalibur). Ab diesem Punkt beginnt es schwierig zu werden, einen klaren Bezug zu einer literarischen Vorlage herzustellen. Denn mit Sagen, Mythologie, Fantasy und historischen Ereignissen beschäftigen sich so viele Bücher, dass oft nur noch spekuliert werden kann, ob ein einzelnes davon Einfluss auf einen Künstler genommen hat, sofern es sich dabei nicht um ein offensichtliches Tribut handelt, wie zum Beispiel im Falle Blind Guardians Lord Of The Rings:


Running Wild bedienten sich für ihre Lieder über Piraten sicherlich einiger literarischer Werke, doch welcher genau? Vielleicht dienen sie oft eher der Inspiration, liefern, gemeinsam als Genre, Ideen und lenken die Arbeit eines Künstlers in eine bestimmte Richtung, ohne dabei kopiert zu werden oder eine übergeordnete Rolle zu spielen. Die Literatur erweitert den Horizont. Sie fördert die eigene Kreativität. Auf diese Weise hilft sie Künstlern dabei, eigene Texte zu schreiben. So können uns Power-Metal Bands auf eine Reise durch ihre eigenen Fantasy-Welten mitnehmen und Pagan-Metal Bands uns die Götter der nordische Mythologie präsentieren, ohne dass wir durchgehend das Gefühl haben, etwas davon zuvor genau so in einem Buch gelesen oder in einem Film gesehen zu haben.

Dieses  Thema ist so umfangreich, dazu könnte man ein Buch verfassen. Achso, dazu gibt es bereits ein literarisches Werk? Tatsächlich: Heavy Metal Studies. Ich habe es auf meiner Wunschliste notiert. Doch bevor ich weiter über den Kauf des Buches nachdenke, widme ich mich dem musikalischen Rückblick auf den vergangenen Monat.

Dies sind meine Top 5 des Monats Juni 2016:

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1. In Extremo

Mittelalter-Rock war bereits im letzten Monat, sogar zweifach, in meinen Top5 vertreten. Diesmal sind es In Extremo, die sogar den meist gehörten Künstler darstellen. Leider lag es nur daran, dass sie ein neues Album veröffentlichten, welches ich mir ausgiebig anhörte – und nicht daran, dass mir dieses Album besonders gut gefällt. Ein paar der neuen Lieder sprechen mich zwar durchaus an, aber insgesamt bin ich doch (wieder) ein wenig enttäuscht. Es ist die im letzten Monat angesprochene Veränderung, die absolut legitim ist, aber eben nicht immer zu Entwicklungen führt, die mir gefallen. Da es in der Einleitung um die Beeinflussung der Musik durch Literatur ging, gibt es jetzt keines der neuen Lieder, sondern den Rattenfänger zu hören:


2. Delain

Viele verbinden mit Symphonic Metal die beiden Größen des Genres: Nightwish und Within Temptation. Andere verbinden mit Symphonic Metal ohrenbetäubenden Operetten-Gesang, der bereits bei Zimmerlautstärke alle Gläser und Scheiben innerhalb des Raumes zerspringen lässt. Ich verbinde mit Symphonic-Metal in erster Linie Delain, was zum größten Teil an Charlotte Wessels vielseitigem Gesang liegt, der sich sehr positiv vom genretypischen abhebt. Sie ist übrigens auch am Projekt Phantasma beteiligt und Autorin der dazugehörigen Novelle, um noch mal kurz die Verbindung zwischen Literatur und Musik aufzugreifen. Aufmerksamen Steven King Fans ist diese Verbindung aber sicherlich bereits bei der Erwähnung des Bandnamens aufgefallen.


3. Alice Cooper

Was gibt es über ihn zu sagen, außer: Ja, es gibt ihn noch. Vor ein paar Jahren fuhr ich quer durch Deutschland, um seine legendäre Show live zu sehen und ihn von meiner Watchlist zu streichen. Live gesehen habe ich ihn, von der Liste gestrichen jedoch nicht. Denn wenn sich noch mal die Gelegenheit dazu bietet, wäre ich gern ein weiteres Mal live dabei. An literarischen Einflüssen konnte ich jedoch nichts entdeckten. Wenn, dann waren es eher Filme, die Inspiration lieferten, wie Freitag der 13. oder A Nightmare On Elm Street. Oder der Schauspieler Dwight Frye:


4. Hammerfall

Es bestehen kaum Zweifel daran, dass die 90er nicht unbedingt das beste Jahrzehnt waren. Aus musikalischer Sicht waren sie vermutlich sogar der Super-GAU und Heavy Metal wurde beinahe für tot erklärt. Die großen Bands der 80er dümpelten mit halbherzig produzierten Alben und Alkoholexzessen vor sich hin, andere lösten sich direkt auf oder machten mit stark veränderter Besetzung (irgendwie) weiter. Die Rettung, sie kam (natürlich!) aus Schweden. Hammerfall. Ihre ersten Alben zählen für mich zu dem Besten, was der Heavy Metal zu bieten hat. Der Durchhänger in den 2000ern sei ihnen verziehen, denn zuletzt ging es wieder aufwärts. Bis auf die eingangs erwähnte Anspielung auf den heimlichen Aufmarsch, konnte ich noch keine weiteren Literaturbezüge finden. Daher gibt es jetzt eine kraftvolle Ballade auf die Ohren:


5. Kontrust

Kontrust sind eine der zufälligen Entdeckungen, die inzwischen fester Bestandteil meiner Musiksammlung sind. Entdeckt hatte ich sie vor einigen Jahren, als ich im Rahmen einer Wette beweisen musste, dass auch aus Österreich gute Musik kommt. Als ich kurz davor stand, aufzugeben und aus lauter Verzweiflung ein Video anklickte, dessen Vorschaubild lediglich noch üblere Qualen vermuten ließ, wendete sich das Blatt, denn die Österreicher machen nicht nur gute Musik, sie haben auch Sinn für Humor. Ein Literatureinfluss war nicht zu erkennen, lediglich die vielen unterschiedlichen musikalischen Einflüsse, die eine Genrezuordnung nahezu unmöglich machen. Aber seht und hört selbst:


 

Damit sind wir schon wieder am Ende des Rückblicks angekommen. Bis zum nächsten Mal!

Bilder statt Worte

Lang ist’s her, dass Zeilenende mir sieben Fragen stellte, die ich statt mit Worten mit Bildern zu beantworten hatte. Doch rund zwei Monate später bin ich endlich in der Lage, meine Antworten zu präsentieren. Denn vergessen habe ich die Fragen nicht. Genug der Worte. Lassen wir nun die Bilder sprechen.


#1: Was inspiriert dich?

inspiration


#2: Der perfekte Tag

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#3: Wie wird man ein Star?

star


#4: Vervollständige: Das Glück dieser Erde…

glueckdieserwelt


#5: Was wolltest du schon immer einmal tun?

immer mal machen


#6: Chaot oder Ordnungsfanatiker?

ordnungoderchaos


 

#7: Was kann man von Hunden lernen?

Rebellion der Maschinen

Auch in dieser Woche gibt es wieder einen Beitrag im „Mitmachblog“.

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Immer diese Technik. Sicherlich unterlief ihr bei der Auszählung der Stimmen ein Fehler, der dazu führte, dass wir in dieser Woche wider Erwarten einen leidenschaftlichen Beitrag zur Technik schreiben. Technik ist nämlich sehr egoistisch. Sie will, dass sich alles um sie dreht. Dass wir von ihr abhängig sind und ohne ihre Hilfe nicht mehr zurechtkommen. Technik ist die Droge 2.0, das Smartphone der Opiat-Ersatz, nicht minder gefährlich und dank Terabyte-LTE-Datenflats und geplantem Verschleißes mit jährlichem Gerätetausch wahrscheinlich sogar genau so kostspielig. Klingt überzogen? Dann empfehle ich als kleines Experiment eine Fahrt mit der U-Bahn. Wie viele Mitmenschen werdet ihr erblicken, die nicht dem Vollrausch frönen? Ganz genau. Und deswegen testet die Stadt Augsburg Bodenampeln für Handy-Nutzer. Ob diese nun ihren Zweck erfüllen und die Menschen, hinter dem Steuer unterschiedlicher Fahrzeuge, vor traumatischen Erlebnissen schützen, bleibt abzuwarten. Ich vermute ja, dass eine Ampel-App mit Push-Benachrichtigungen die bessere Lösung wäre. Oder unbemannte Fahrzeuge…

Genug über Smartphone-Zombies…

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Schweden (#7) – Ende

Ich zählte die Monate, die Wochen, jeden einzelnen Tag. Auf diese Reise freute ich mich so sehr, wie ich mich seit einiger Zeit nicht mehr auf etwas freute. Ein bisschen erinnerte mich die Vorfreude an meine Kindheit, als ich meinen Geburtstag, Heiligabend oder eben einen Urlaub, kaum noch erwarten konnte. Damals war ich oft so aufgeregt, dass ich bereits einige Tage vorher kaum noch schlafen konnte. Und erstmals, nach langer Zeit, kehrte dieses Gefühl, kehrte diese enorme Vorfreude zurück. Es ist doch bloß ein Urlaub, sagte ich mir, doch meine Gedanken ließen sich von meinem Gerede nicht beirren.

Nun saß ich dort, auf der Terrasse des Sommerhauses, abends um 23:45 Uhr. Am Himmel waren nur noch die letzten Spuren des Tageslichts zu erkennen. Die kurze Nacht stand unmittelbar bevor, kühler Wind wehte um mich herum und ließ die Hitze des vergangenen Tages vergessen, während ich diese Zeilen mit der Tastatur meines Notebooks tippte und dabei immer wieder auf meine Notizen blickte, die ich mit meiner hieroglyphischen Schrift auf ein Blatt gekritzelt hatte.

Es waren so viele Monate des Wartens, so endlos viele Tage. Und nun saß ich dort, am Abend des letzten Tages. Die Zeit rannte und rannte und verging wie im Flug. Nur zehn Tage. Wieso nur zehn Tage? Hätte ich nicht 20 buchen können. Oder gleich meinen gesamten Jahresurlaub in diese Auszeit stecken können? Oder fliehen, gar nicht zurück kehren, einfach hier bleiben. Muss ich morgen früh wirklich wieder zurück? Zurück in meinen öden, grauen Alltag. In diesen nervigen Alltag, mit seinen Verpflichtungen und Zwängen, die mir auferlegt wurden, ohne dass mir jemals die Frage gestellt wurde, was ich will? Ob ich DAS will? Zurück in den Alltag, der mir dann auch noch Tag für Tag meine Erinnerungen an diese Auszeit präsentiert und mir voller Gehässigkeit zu verstehen gibt, dass nicht sie, sondern er, der Alltag, mein Leben ist?

In keiner einzigen Sekunde in Schweden, habe ich auch nur irgendeinen Teil meines normalen Lebens vermisst. Im Gegenteil, eine gewaltige Last ist von mir abgefallen und die Gedanken daran, diese Last bald wieder aufnehmen zu müssen, machten mir Angst. Keine winzige Spur der Vorfreude, in die gewohnte Umgebung zurückzukehren, bekannte Gesichter, Familie und Freunde wiederzusehen. Ein beängstigendes Gefühl und eine erschreckende Erkenntnis. Zwischen so vielen verschwommenen Bildern in meinem Inneren stach eines in absoluter Schärfe hervor: Dass ich das, was ich muss, am wenigsten will. Die Befürchtung, niemals auch nur annähernd glücklich zu werden, wenn sich mein Leben nicht grundlegend ändert. Wie gerne wäre ich jetzt derjenige, der an Deck der Fähre steht, sich an die Reling lehnt, Richtung Norden blickt und diese Worte flüstert: … a better life.

Am liebsten hätte ich in dieser Nacht gar nicht geschlafen. Am liebsten hätte ich jede einzelne der letzten verbliebenen Sekunden ausgekostet und mich krampfhaft an diesem Ort festgeklammert, mich bis zum allerletzten Moment der Illusion hingegeben, einfach bleiben zu können. Doch die bevorstehende lange Rückfahrt zwang mich dazu, die letzten Stunden in Schweden dem Schlaf zu opfern. Unmotiviert fiel ich am darauffolgenden Morgen aus dem Bett, packte einen Rucksack und meinen Hund ins Auto und fuhr los. Das war’s. Vor einem halben Jahr war dieser Moment noch meilenweit entfernt. Und jetzt stecke ich mittendrin. Im Rückspiegel blendete mich die steigende Sonne, als wollte sie mich ununterbrochen daran erinnern, in welche Richtung ich unterwegs war.

Nach einigen Stunden Fahrt stand ich wieder an der Mautstelle der Öresundbrücke. Erneut tippte ich die Nummer des Tickets ein. Die Schranke öffnete sich. Ich zögerte. Doch mir blieb keine Wahl und kurz darauf erschien ein Schild mit der Beschriftung Denmark. Nun hatte ich Schweden endgültig verlassen, blickte in den Rückspiegel, warf einen letzten Blick auf Malmö, das Meer, den blauen Himmel und die vielen weißen Segelboote. Dann sah ich das Ende der Brücke vor mir, die Rampe, die hinab in den Tunnel führte, dessen Öffnung aus dem Meer ragte, wie der gierige Schlund eines gewaltigen Seeungeheuers, das es kaum erwarten konnte, mich zu verschlingen, durch die lange, kalte Röhre zu würgen und auf der anderen Seite wieder auszuspucken, mich meinem Alltag weitere Kilometer näher zu bringen. Einem Alltag, so kalt und grau und eng, wie dieser Tunnel, mit vorgegebener Richtung, unflexibel, ohne die Möglichkeit auszubrechen.

Doch es gab da noch etwas, das mich positiv nach vorn Blicken ließ. Einen Notizblock, mit hineingekritzelten Gedanken. Ideen. Möglichkeiten. Mit Stichpunkten, die ich mir zuhause wieder ansehen wollte. Worte, abseits des Alltags aufgeschrieben, um sie, zurück im Alltag, wieder hervorzuholen. Um herauszufinden, wie sie wirken, wenn der Abstand größer, der Moment ihres Auftretens endgültig vorüber ist. Ich mache mir nichts vor, ich weiß, dass eine Auszeit nichts weiter ist, als eine Auszeit und dass ihr Effekt an vielen anderen Orten womöglich ähnlich gewesen wäre. Eine Abwechslung, ein dringend benötigter Ausgleich. Im und unmittelbar nach dem Urlaub, bin ich zu sehr von Gefühlen und all den vielen Eindrücken beeinflusst. Kein guter Zeitpunkt, irgendwelche überstürzten Entscheidungen zu treffen. Auch dies war mir bewusst, als ich durch den Tunnel zurück in den Alltag fuhr. Allerdings stand ebenso fest, dass ich Entscheidungen treffen muss. Dass mir all meine Wünsche, Fragen, Antworten und Gedanken nichts nutzen, ohne den Versuch herauszufinden was geschieht, wenn ich etwas davon in die Tat umsetze. Ich stellte das Radio lauter, denn meine Spotify-App entschied sich dafür, einen neuen Song einer in Vergessenheit geratenen Band zu spielen:

Schweden (#6) – Das Glück in der Hand

Aus Rücksicht auf meinen Hunde-Senior, naja, auch aus Rücksicht auf mich selbst, mussten die täglichen Erkundungstouren durch die schwedische Natur darauf warten, dass sich der brennende Ball am Himmel dem Horizont näherte. Dank der zu dieser Jahreszeit auf der Nordhalbkugel sehr langen Tage, blieb in den Abendstunden ausreichend Zeit, um noch tiefer in die Natur einzutauchen und auch die letzten verbliebenen Reste des Alltags abzustreifen. In der Luft lag nur noch der Geruch des abkühlenden Waldes, die Mischung aus Moos, Nadelholz und leichter Feuchtigkeit. Dazu das Zwitschern der Vögel, die entfernten Rufe vereinzelter Kraniche und Greifvögel und das Summen weniger Mücken, die mich verfolgten, aber aus irgendeinem Grund nicht angriffen (vielleicht erfüllt die stinkende Sonnencreme also doch einen zusätzlichen Zweck). Und mittendrin ertönte plötzlich ein Bellen, das an einen aufgeregten Hund erinnerte, der im Wald umherirrt. Aber es war natürlich kein Hund.

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Wenn mir schon kein Elch vor die Kamera läuft…

Gut getarnt und regungslos stand er dort, starrte direkt in meine Richtung. Langsam griff ich zur Objektivabdeckung, löste sie, griff nach der Kamera, richtete sie aus und tatsächlich tat er mir den gefallen und blieb für genau dieses eine Foto so stehen. Sein Blick genau in die Kamera gerichtet. Klack, er sah mich noch mal kurz an und rannte bellend davon. Im Laufe der abendlichen Wanderung hörte ich das Brüllen noch an vielen anderen Stellen. Zu sehen bekam ich den jeweiligen Verursacher aber nur noch einmal, als er plötzlich aus einem Gebüsch heraus sprang, quer über den Pfad rannte und im dunklen, dichten Wald verschwand, ehe ich überhaupt darüber nachdenken konnte, zur Kamera zu greifen, die an meinem Hals baumelte.

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War stabiler, als es der erste Eindruck vermuten ließ.

Wir folgten dem Pfad tief in den Wald hinein. Mit jedem Schritt wirkte der Weg verlassener, wucherte zu, bis er schließlich nur noch schemenhaft zu erkennen war. Einige Meter weiter, wurde er durch eine alte, zugewachsene Reifenspur ersetzt. Sie führte zu einer kleinen Lichtung, die untergehende, orangefarbene Sonne schien durch einige dünner bewachsene Bäume hindurch. Ich setzte mich auf einen Stein, beobachtete den orangenen Ball, der sich Millimeter um Millimeter dem Horizont näherte und versank in meinen Gedanken. Wer bin ich? Was will ich? Wo will ich hin?. Wo gehöre ich hin?. Hier fühlt sich alles so gut an. Ein Gefühl des Glücks breitete sich aus, als sei dieses mysteriöse Glück hier zum Greifen nah, nein als hätte ich es jetzt gerade in meiner Hand, fest im Griff. Ich muss es nur festhalten, einfach festhalten. Nicht loslassen.

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Ein lautes Knacken und Rascheln holte mich aus meiner Gedankenwelt zurück. Oh nein, habe ich hier etwa gerade den „König des Waldes“ verpasst? Ich blickte mich um, es war nichts zu sehen. Mein Hund streckte seine Nase neugierig in die Höhe. Irgendetwas muss soeben an uns vorbei geschlichen sein. Stille breitete sich wieder aus und legte sich über die kleine Lichtung. Die Sonne versank nun endgültig hinter dem Horizont und durch den teils dichten Wald drang nur noch wenig Tageslicht zu uns hindurch. Wir folgten der alten, kaum noch sichtbaren Reifenspur etwa zwanzig Minuten lang, dann standen wir auf einer schmalen Straße. Ein Blick nach links, ein Blick nach rechts. Ich erkannte sie. Naja, so viele Straßen gibt es dort ja auch nicht. Wir folgtem dem schlangenlinienförmigen Verlauf der Straße ungefähr drei Kilometer und erreichten gegen Mitternacht wieder unser Haus.

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