Musikalischer Monatsrück- und Weihnachtsausblick – November’16 (#9)

Ein weiterer Monat ist vorüber. Ein weiterer Monat, in dem meine Blogaktivität nicht ganz meinem Anspruch gerecht wurde. Aber das wird sich wieder ändern, versprochen! Ich arbeite bereits daran, meinen Entwurfsvorrat aufzufüllen, mir Ideen für neue Beiträge einfallen zu lassen und vor allem daran, mir wieder etwas mehr der notwendigen Zeit zu verschaffen. Und was eignet sich dazu besser, als ein neues Jahr mit den dazugehörigen Vorsätzen? Ganz genau. Eigentlich alles. Vorsätze halte ich nämlich für Quatsch. Als sei an einem ersten Januar etwas anders, als am Tag zuvor. Abgesehen vom Kater, den Müllbergen auf öffentlichen Straßen, höheren Krankenversicherungsbeiträgen und Steuern und dem frisch aufgefüllten Urlaubstagekonto. Wenn ich wirklich etwas ändern möchte, kann ich es auch genau jetzt tun, anstatt nur so zu tun, als würde ich etwas ändern wollen, um am zweiten Januar bedauerlicher Weise einsehen zu müssen, dass es mir nicht gelingt, eine Kanne Kaffee weniger pro Tag zu trinken.

Und da wir gerade beim Thema Veränderungen sind: Dieser Rückblick erhält eine leicht veränderte Form. Ok, keine dauerhafte, sondern eine, aus kalendarischen Gründen, vorerst einmalige Veränderung. Neben dem Rückblick auf den November, erhaltet ihr einen Ausblick auf den Dezember. Mit Hilfe einer Glaskugel, Tarotkarten und meinem Hunde-Orakel konnte ich exakt sehen, welche Weihnachtslieder ich mir im Laufe des Monats anhören werde. Doch macht euch keine falschen Hoffnungen, denn „Last Christmas“ ließ bereits mit den ersten Tönen die Glaskugel zerspringen und verwandelte meinen Hund in einen Werwolf, der zurück in das Jahr 1984 reiste, das Master-Tape auffraß und so dafür sorgte, dass dieses Folterinstrument nie veröffentlicht wurde.

Doch bevor ich meine voraussichtlichen Top-Weihnachtslieder präsentiere, gibt es die Lieder aus dem November auf die Ohren:

nov16

Meine Top 5 des Monats November


1. R.E.M.

Da sind sie wieder – und im Gegensatz zum Mai, haben sie es diesmal sogar auf den ersten Platz geschafft. Mai… es liegt also ebenfalls schon wieder ein halbes Jahr zurück. Die Zeit verfliegt, so schnell, dass man kaum hinterher kommt. Passend dazu, war das Album Out of Time der internationale Durchbruch dieser Band, die leider auch in den letzten sechs Monaten nicht den Anschein erweckte, als würde sie meinen Wunsch nach einer Reunion erfüllen. Daran lässt sich wohl nichts ändern, aber zum Glück gibt es ausreichend Material, um den Bedarf an R.E.M. anderweitig zu decken. Zum Beispiel damit:


2. Beyond the Black

Ich gebe zu, hierbei handelt es sich um eine etwas kuriose Band. Wie aus dem Nichts, tauchte diese Band auf und beförderte ihr Debutalbum auf den, für Symphonic-Metal durchaus beeindruckenden, zwölften Platz der Album-Charts – den Nachfolger sogar auf Platz 4. Dazu eine junge Sängerin, die im Alter von 11 Jahren mal ein TV-Casting gewann – und zwar nicht irgendeines, sondern ein Casting des Senders KiKa – und nun ihre gesamte Band gefeuert hat. Oder was man halt so als Band bezeichnen kann, schließlich schreiben sie weder ihre Songs selbst, noch spielen sie die Instrumente im Studio selbst ein. Trotzdem gefällt mir ihre Musik, insbesondere der starke Gesang, der sich doch sehr positiv von den genretypischen hohen Tönen und Tarja-Imitationen abhebt. Und außerdem muss man den Metal-Nachwuchs ja irgendwie fördern.


3. HammerFall

Auch die schwedische Metal-Band Hammerfall war schon mal in einem Rückblick vertreten. Diesmal hat sie ihr neues Album Build to Last in meine Top 5 befördert, denn wenn eine meiner Lieblings-Heavy-Metal-Bands ein neues Album veröffentlicht, muss ich natürlich auch sofort hören, was sie da produziert haben. Es ist definitiv wieder ein sehr gutes Album geworden. Ich bilde mir sogar ein, dass durch den Wechsel der Plattenfirma sogar wieder mehr Hammerfall zu hören ist, als auf den letzten Alben. Gerade dieser Song bietet doch zu 100% das, was man von dieser Band erwartet:


4. Helloween

Wieder nichts Neues – denn auch Helloween kennt ihr bereits aus einem vergangenen Beitrag. Vielleicht sollte ich zukünftig nicht die tatsächlichen Top 5 vorstellen, sondern meine monatliche Hörstatistik so filtern, dass ich die Top 5 der bisher ungenannten Künstler präsentiere. Mal schauen, irgendwas lasse ich mir schon einfallen. Zu Helloween gibt es aber trotzdem eine interessante Neuigkeit. Die Band hat nämlich bekannt gegeben, im nächsten Jahr eine ganz besondere Tournee zu starten: Pumpkins United bringt die aktuellen und ehemaligen Mitglieder der Band gemeinsam auf die Bühne. Klingt verdammt cool und ich denke, ich lasse es mir nicht entgehen, ein Helloween-Konzert mit Kai Hansen und Michael Kiske zu erleben.


5. Metallica

Platz 5 belegt dann doch noch mal ein Neuling. Ja, kaum zu glauben, aber Metallica haben es in den vergangenen acht Monaten kein einziges Mal in meine Top 5 geschafft. Jetzt führte aber kein Weg mehr daran vorbei, denn nach acht Jahren veröffentlichten sie endlich wieder ein neues Album, das ich selbstverständlich direkt in meine Playlist beförderte. Und: Yeah! Es wurde nicht wieder von Rick Rubin in einen grauenhaft klingenden Loudness-War-Brei verwandelt. Und nein, das ist nicht das einzig positive am neuen Album. Es macht einen wirklichen guten Eindruck. Also, Lautsprecher aufdrehen und los:


Alle Jahre wieder…

Das war also der November. Normalerweise stünde an dieser Stelle lediglich der Hinweis, dass in 4 Wochen der nächste Rückblick folgt. Aber was ist schon normal? Genau. In 4 Wochen (und 2 Tagen) folgt zwar ein weiterer Rückblick, dabei wird es sich allerdings um eine Zusammenfassung des Jahres 2016 handeln. Außerdem hätte ich vermutlich gar keine Lust, im Januar eine Weihnachtsplaylist zu präsentieren. Daher erledige ich das einfach jetzt, in einem vorgezogenen Rückblick. Oder Ausblick. Und zwar garantiert whamfrei.

1. Die Roten Rosen – Weihnachtsmann vom Dach

Ich bin kein großer Freund von Weihnachtsliedern. Erst recht nicht von denen, die regelmäßig gezwungener Weise veröffentlicht werden, weil man ja auf den weihnachtlichen Kommerzzug aufspringen muss. Trotzdem gibt es ein paar wenige Lieder, die ich mir tatsächlich anhöre. Der Weihnachtsmann vom Dach gehört definitiv dazu. In diesem Fall würde ich sogar erstmals, ohne zu zögern, behaupten, dass es sich um mein Lieblings-Weihnachtslied handelt (übrigens gefällt mir das komplette Weihnachtsalbum der „Roten Rosen“ sehr gut). Hier ist nun also mein alljährlicher Dauerbrenner der Weihnachtszeit:


2. Slade – Merry Xmas Everybody

Zugegeben, diesen Song hatte ich entdeckt, weil die Toten Hosen ihn auf ihrem Weihnachtsalbum coverten und mich einfach das Original interessierte – welches mir trotz, oder vielleicht gerade wegen seines Alters tatsächlich noch besser gefällt. Somit hat auch dieses Lied seinen Platz in meiner jährlichen Weihnachtsplaylist sicher.


3. Alice Cooper – Santa Claus is coming to town

Jetzt lassen wir es nochmal eine Spur härter zur Sache gehen. Weihnachten soll ja schließlich nicht zu melancholisch und ruhig werden, oder? Als Alice Cooper Fan kann ich nicht darauf verzichten, ihm einen Platz in meiner Weihnachtsplaylist einzuräumen. Hier ist der Schock Rocker mit seinem besinnlichen Beitrag zur Weihnachtszeit:


4. Onkel Tom – Ich glaub nicht an den Weihnachtsmann

Alice Cooper war noch nicht hart genug? In Ordnung, dann ergänze ich meine Playlist eben noch um einen besinnlichen Song des Sängers von Sodom, einer Thrash-Metal-Band aus Gelsenkirchen, was ja durchaus zu einem Schalke 04-Sympathisanten, wie mir, passt. Also, Ohren zu und durch😀


5. Blackmore’s Night – Christmas Eve

Also gut. Es geht natürlich auch noch etwas weihnachtlicher. Ich will es ja nicht übertreiben und ein paar ruhigere Töne können bekanntlich nicht schaden. Der Abschluss dieses Beitrags wird daher von sanfteren Klängen begleitet, die sich ebenso in meiner weihnachtlichen Playlist wiederfinden, wie Onkel Tom und Alice Cooper. Wie gesagt, ich bin da sehr abwechslungsreich. Und nun Say goodbye to November:


 

Schweden – und jetzt?

Ein Blick in den Kalender und ich reibe mir verwundert die Augen. Nein, unmöglich. Ein Blick aus dem Fenster: Schnee? Zu dieser Jahreszeit? Ich schütte mir einen Ice-Bucket über den Kopf, setze die Brille auf – gleiches Ergebnis. Nein, unmöglich. Zwei Kannen Kaffee später hat sich noch immer nichts geändert. Das kann doch nicht sein.

Nein. Doch. Ohh.

Es scheint wirklich möglich zu sein. November. Sogar der erste Schneefall des anstehenden Winters, der den, nach langem Spätsommer, gerade erst aufgetauchten Herbst bereits zu verdrängen scheint und seinen weißen Mantel über die Landschaft legte. Aber war ich nicht gerade erst in Schweden? Wie können schon wieder fünf Monate vergangen sein? Mehr als 150 Tage Alltag. Beinahe ein halbes Jahr ohne die große Veränderung. 3600 Stunden, in denen sich meine Gedanken um Fragen, Wünsche und Möglichkeiten drehten. 13 Millionen Sekunden, von denen scheinbar keine einzige die Entscheidung brachte. Jedenfalls habe ich mein Leben in den vergangenen Monaten nicht auf den Kopf gestellt. Mein Alltag setzte an der Stelle fort, an der er während meiner Auszeit pausierte und bringt mich nun wieder an den Punkt, an dem er sich vor der Auszeit befand und an dem ich mir gern die nächste gönnen würde. Täglich grüßt das Murmeltier – denn vor exakt einem Jahr begann ich mit der Reiseplanung und dem Herunterzählen der Tage.

Ist der Effekt meines Aufenthalts in Schweden verflogen? Waren all die Gedanken, Ideen und scheinbaren Erkenntnisse wertlos? Wo ist die Euphorie? Wohin das Wissen, was zu tun ist und welche Schritte folgen müssen, um endlich auf den richtigen Weg zu gelangen?

In Schweden war die Sache klar. Hier gehöre ich hin. Genau hier hin. Zurück zuhause, war die Sache noch deutlicher. Hier gehöre ich nicht hin. Definitiv nicht. Schweden, das große Ziel. So funkelnd und leuchtend und vielversprechend, wie der große Topf voller Gold am Ende des Regenbogens. Und auch genau so fiktiv und unerreichbar? Je mehr Alltag in mein Leben zurückkehrt und je größer die Distanz zur Auszeit wird, desto stärker verschwimmt das Bild, das anfangs so unmissverständlich klar wirkte. Wie das Versprechen halbjährlicher Gehaltserhöhungen oder die 9Live-Hauptgewinn-Garantie. Bedeutungslos. Der Plan war vorhanden, die Vorbereitungen gestartet, das erste große und wichtige Ziel gesetzt. Doch mit jedem Tag entfernte sich dieser Punkt am Horizont ein weiteres Stück. Mit jedem weiteren Tag erschien dieses Ziel unwirklicher. Als würde ich mit jedem Versuch, einen Schritt nach vorn zu setzen, nur noch tiefer im traurigen Sumpf des Alltags in Deutschland versinken. Das Ziel, das die notwendige Motivation liefern sollte, so weit entfernt, dass es das Gegenteil bewirkt und die Motivation mit der Gewalt einer riesigen Abrissbirne zertrümmert.

Nun stehe ich hier, vor den Splittern meiner großen Ziele. Bin genau so weit, wie vorher. Oder täuscht dieser Eindruck?

Ich erklärte Schweden tatsächlich zu etwas, wie der ultimativen Lösung. Doch ich zwang mich dazu, nichts zu überstürzen. Entschlüsse, die aus Emotionen heraus gefasst werden, sind nicht immer die richtigen. Zuerst musste etwas Abstand hergestellt werden. Der Alltag zurückkehren. Und mit diesem kehrte ziemlich schnell auch das Fernweh zurück, was ich als Bestätigung der anfänglichen Euphorie wertete. Ich begann, mich intensiver mit dem Lernen der Sprache zu befassen. Informierte mich über die Möglichkeiten des schwedischen Arbeitsmarktes. Mit anderen Worten: In 2 Jahren wollte ich Deutschland den Rücken kehren und den Neustart in einem anderen Land wagen. Doch wenn etwas weit in der Zukunft liegt, bleibt viel Zeit, um noch viel ausgiebiger darüber nachzudenken. So schön Schweden auch ist und so gut und frei ich mich dort auch fühle – dort zu leben wäre etwas völlig anderes. Den Alltag kann ich nicht an der Grenze zurücklassen, er wird sich im Laufe der Zeit überall ausbreiten. Das war mir natürlich schon bewusst, als ich mich für diesen Schritt zu entscheiden glaubte. Alltag muss ja nicht zwangsläufig negativ sein. Vielleicht ist er in einem anderen Land sogar viel angenehmer. Aber möglicherweise will ich gar nicht, dass Schweden alltäglich wird, sondern das Besondere daran bewahren, weil ich Angst davor habe, dass das, was Schweden für mich ausmacht, durch diesen Schritt verloren geht. Schweden als sicherer Zufluchtsort, um abzuschalten, mit mir allein zu sein. Wo sollte ich das in Zukunft tun, wenn ich in diesem Land lebe und es für mich zur Normalität wurde?

No risk, no fun. Ich weiß. Doch wenn ich schon etwas riskiere, brauche ich zumindest einen Plan B. Das sprichwörtliche Ass im Ärmel. Das rettende Ufer, wenn ich während meines Fluchtversuches zu ertrinken drohe. Ich kann ja nicht umdrehen, die Flucht abbrechen und an den Ort zurückkehren, vor dem ich fliehe. Würde ich dies als Notlösung in Betracht ziehen, könnte ich es mir gleich sparen. Nein, wenn schon, dann richtig. Und wenn es schief läuft, dann eben woanders hin, nur nicht zurück. Doch auch, wenn ich mein endgültiges Ziel nun irgendwie immer noch nicht fest definieren kann, ist es ein weiterer Schritt nach vorn. Ein weiteres aufgedecktes Puzzle-Teil, das ein wenig mehr Licht ins Dunkel bringt und dabei hilft, die Möglichkeiten einzugrenzen. Ich weiß, dass ich nicht hier bleiben werde und ich weiß, wohin es mich nicht führen wird. Meinen Plan, gewisse Grundlagen zu schaffen, kann ich unverändert fortsetzen, denn mit guten Schwedischkenntnissen käme ich auch in Norwegen zurecht und ausgebaute Englischkenntnisse sind in Skandinavien sowieso Pflicht.

Die Deadline bleibt bestehen. In spätestens zwei Jahren will ich den großen Schritt wagen, schließlich soll die „30“ ja auch etwas Neues bringen. Bis dahin werde ich für die nötigen Voraussetzungen sorgen. Ob es mich dann nach Norwegen, Finnland oder doch nur in den Breisgau führt, ist natürlich noch von weiteren Faktoren abhängig, die ich nicht alle beeinflussen kann. Aber ich werde vorbereitet sein. Und flexibel. Und mich in das Abenteuer stürzen.

schwarz-weiß

Schwarz oder weiß?

MitmachBlog

Schwarz und Weiß – ein Thema, das hervorragend in die aktuelle Woche passt, die damit begann, dass sich mein schwarzes Auto unter einer vier Zentimeter dünnen Schneedecke versteckte. Ja, Schnee. Also nicht der Schnee, an den ihr Nasen jetzt denkt, sondern der, der hier in Norddeutschland etwa einmal im Jahrzehnt vom Himmel fällt. Ein Geschenk für alle sommerbereiften Schwarzmaler, die vermutlich noch nicht schwarz genug malten, um mit dem, angesichts der aktuellen Jahreszeit, vollkommenen unangemessenen, überraschenden und schockierenden Wintereinbruch zu rechnen. Ja, es muss wirklich schrecklich sein, in der einen Minute noch bei 32°C am Elbstrand zu liegen und sich in der nächsten Minute bei -15°C aus dem Schneehaufen graben zu müssen.

Doch diese Woche hatte weit mehr zu bieten, als das ungeahnte Ende der Hamburger Badesaison. Schließlich kamen auch alle Schwarzweißmaler, Schwarzmaler und Weltuntergangspropheten voll auf ihre Kosten – bei einer Präsidentschaftswahl, bei der aus Schwarz und Weiß Tiefschwarz das Lieblingsschwarz oder…

Ursprünglichen Post anzeigen 225 weitere Wörter

Musikalische Monatsrückblicke – September/Oktober ’16 (#7 #8)

Im letzten Monat musste ich den musikalischen Rückblick leider ausfallen lassen. Zwar hatte ich mehr als ausreichend Zeit, jedoch stellte sich das einhändige Schreiben neuer Beiträge als sehr kompliziert heraus. Selbst wenn es irgendwie für einen Rückblick gereicht hätte, die Zahl der gehörten Lieder war im September viel zu gering, als dass ein eigener Beitrag berechtigt gewesen wäre. Und da auch die Oktober-Statistik nicht zu meinen umfangreichsten gehört, fasse ich einfach beide Monate zusammen.

Im September gab es übrigens eine kleine Veränderung: Ich beendete schweren Herzens mein Premium-Abo des schwedischen Streaming-Dienstes Spotify und entschied mich dafür, das Angebot von Google zu testen. Ich hätte es gerne vermieden, schließlich liefert Spotify gute Empfehlungen und die vielleicht beste Streaming-App. Aber in den letzten Monaten empfand ich es als zunehmend lästig, dass mir der merkwürdige Zufallswiedergaben-Algorithmus, trotz 600 Lieder umfassender Playlist, stets die gleichen Stücke präsentierte und gefühlt 90% meiner sorgfältig erstellten Liste konsequent ignorierte – ganz gleich, wie oft ich „Shuffle“ antippte, es lief immer auf das gleiche, nervige Ergebnis hinaus. Teilweise konnte ich dieses Problem zwar umgehen, in dem ich kürzere Listen erstellte und diese ganz normal abspielte, aber irgendwie war das ja auch nicht der Sinn des Ganzen.

Wieso nun ausgerechnet Google? Ich gebe zu, eigentlich sah ich nur in Deezer eine wirkliche Spotify-Alternative. Apple lehne ich ab, napster konnte mich nicht überzeugen, qobuz wirkte noch zu unausgereift und Juke empfand ich allein optisch als völlige Katastrophe. Ok, ich bin vielleicht auch ein wenig spotify-verwöhnt. Aber was soll’s, ich wollte ja einen anderen Dienst ausprobieren. Auf zu Deezer, dort kann man sogar Musik aus der eigenen Sammlung hochladen und somit auch die Songs hören, die Deezer nicht im Programm hat. Yeah, endlich Farin Urlaub, Die Ärzte und die Die Toten Hosen streamen. Tja, zu früh gefreut, funktioniert zwar am PC und per Sonos, wo ich es gar nicht brauche, aber nicht mit der Smartphone-App, von der ich es mir erhofft hatte. Aufgeben und zurück zu Spotify? Oder auf dieses Feature verzichten und bleiben? Nein, Moment, es gibt doch auch etwas von Google. Auch dort kann man eigene Musik hochladen und – noch viel besser – sogar übers Smartphone streamen. Der Rest, naja, ist gewöhnungsbedürftig. Zumindest aber sollte ich berücksichtigen, dass Google meinen Musikgeschmack nach der kurzen Nutzungsdauer ja noch gar nicht so perfekt kennen kann, wie Spotify nach mehreren Jahren. Außerdem gibt es an den wichtigsten Funktionen nichts auszusetzen. Naja, fast nichts… da wäre noch die Sache mit der Zufallswiedergabe. Nutzt Google etwa den gleichen Algorithmus?

Letztendlich sehe ich mich daher wieder vor der Rückkehr zu Spotify. Oder ich teste doch noch mal Deezer. Dann müsste ich zwar wieder auf das Streaming der Ärzte und der Toten Hosen verzichten, aber die kann ich mir auch weiterhin separat anhören. Hauptsache die Shuffle-Funktion mischt die Songs endlich durcheinander, anstatt immer und immer wieder die gleichen abzuspielen… Tja, heute ist der 02. November und der erste Tage ohne aktives Streaming-Abo. Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Ich liebe Entscheidungen.

Aber nun zu meinen Top5-Künstlern der Monate September und Oktober (naja, durch Punktgleichheit eigentlich Top 6):


 

sepokt16
Meine Top 6 Künstler der letzten beiden Monate

1. Die Toten Hosen

Endlich schaffen sie es mal wieder in meine Statistik. Und das noch vor dem alljährlichen Entstauben ihres Weihnachtsalbums. Dank Google hatte ich die Möglichkeit, eigene Musik zu streamen. Zuvor beschränkte sich das Hören der Toten Hosen leider auf die heimische Stereoanlage oder CDs, die last.fm leider nicht berücksichtigt. Ja, eigentlich höre ich sie viel zu selten, schließlich waren oder sind sie nachweislich meine Lieblingsband. Doch auch an den Toten Hosen geht es nicht spurlos vorbei, dass sich inzwischen 1018 Künstler in meiner Sammlung tummeln. Sollte im nächsten Jahr tatsächlich ein neues Album erscheinen, werden wir sie hier wahrscheinlich häufiger sehen. Und im Dezember Rückblick natürlich – dann aber als Die Roten Rosen. Jetzt gibt es aber erstmal einen meiner Lieblingssongs. Passend zur Jahreszeit:


2. Die Ärzte

Ja, die letzten beiden Monate waren sehr geprägt von deutschsprachiger Musik. Und mit den Ärzten schaffte es die zweite Band in meine Top 5, die ich auf Grund fehlender Streaming-Möglichkeiten nicht mehr ganz so häufig höre. Als bekennender Hosen-Fan waren die Ärzte lange Zeit nur meine Nummer 2. Was in erster Linie daran lag oder liegt, dass sie stets sehr gemischte Gefühle erzeugen. Während einige Lieder wirklich unglaublich stark sind, gehen mir viele andere Lieder einfach nur unglaublich auf den Nerv. Aber das ist es wohl, was diese Band auszeichnet. Und dafür sind ihre guten Songs wirklich verdammt gut. So wie dieser, wir bleiben etwas melancholisch, passend zum November:


3. Meg Myers

Irgendwie hat Meg Myers es mal wieder in die Top 5 geschafft. Ich muss ja schließlich meine Aussage bestätigen, dass sie sich langfristig in meiner Sammlung festsetzen wird. Diesmal bin ich aber etwas überrascht, denn ich hätte nicht gedacht, dass es ihr gelingt, sich zwischen die deutschsprachigen Künstler zu mogeln. Es bleibt ein wenig ruhiger, aber das liegt nun eher am Genre, als an der Jahreszeit:


4. Farin Urlaub

Farin Urlaub ist vielleicht der Hauptgrund dafür, dass ich viele Lieder der Ärzte mag. Denn meist sind es seine Songs, die mir besonders gut gefallen. Er hat es sogar doppelt in diesen Beitrag geschafft, aber da er früher (mehr oder weniger) Solo unterwegs war und nun mit einer zweiten Band als Farin Urlaub Racing Team, gibt es eben zwei Platzierungen. Und mein zweites Lieblingslied seiner Solo-Phase möchte ich euch nicht vorenthalten. Musikalisch wird es etwas lauter, textlich bleibt es aber irgendwie doch leicht herbstlich:


5. Farin Urlaub Racing Team

Da ist er wieder, der Farin. Seit einiger Zeit, abseits der Ärzte, mit dem Racing Team unterwegs. Mit eben dieser Band bescherte er uns auch sein aktuellstes Werk: Faszination Weltraum. Ein, nach mehreren Hördurchgängen, durchaus sehr gelungenes Album. Auch wenn ich mir ein paar der B-Seiten lieber auf dem Album gewünscht hätte. Aber vielleicht sind sie gerade deshalb nicht auf dem Album – die Singles wollen schließlich auch verkauft werden. Und wenn sie Lieder, wie Die perfekte Dikatur oder Himmel auf Erden enthalten, lohnt sich der Kauf. Nun gibt es mein Lieblingslied vom letzten Album, welches zwar nichts mit der aktuellen Jahreszeit zu tun hat, dafür aber umso besser in die aktuelle Zeit passt:


6. Sportfreunde Stiller

Abschließend schafften es auch die Sportfreunde Stiller mal wieder in meine Top ähm.. 6. Es gab ja ein neues Album von ihnen, in das ich gleich mal hineinhörte. Diesmal allerdings, ohne mich so wirklich damit anfreunden zu können. Aber ich fälle kein Urteil, ehe ich nicht noch ein oder zwei Hördurchläufe hinter mir habe. Bis dahin bleibe ich neutral und höre erstmal etwas vom Vorgängeralbum:


Das war’s. Den nächsten Rückblick gibt es dann hoffentlich wieder pünktlich, Anfang Dezember.

Bis dann!

Salat? Bah!

Damit hat dann auch die mehrwöchige Mitmachblog-Abstinenz ein Ende. Mein Beitrag zum Thema der Woche, Salatbar:

MitmachBlog

Kaum verpasse ich ein paar Wochen der schnelllebigen Blogger-Welt und schon habe ich den Salat – ein veganes Wochenthema. Wobei, stimmt gar nicht, es gibt ja auch Fleischsalat und Kabelsalat. Na gut, der Kabalsalat könnte wieder vegan sein. Aber vielleicht liege ich ja auch komplett falsch und es ist gar nicht der Salat, sondern die Salāt gemeint. Das rituelle Gebet im Islam. Was „bar“ nun damit zu tun haben sollte, weiß ich jedoch nicht. Es sei denn, es handelt sich dabei um das iranische Dorf Bar, in dem die Salāt sicherlich regelmäßig verrichtet wird. Und wenn der Imam dann auch noch Sal at-bar heißt, ist die Verbindung perfekt.

Bevor wir voreilige Schlüsse ziehen, füttern wir doch mal eine große Suchmaschine mit diesem Begriff. Frau in Salatbar erstochen, lautet der Titel eines der ersten Ergebnisse. Ganz schön brutal, diese Salatbar. Das hätte ich nun nicht erwartet. Bleibt nur zu hoffen, dass kein Mitglied…

Ursprünglichen Post anzeigen 314 weitere Wörter

Die Augen zu

Ungefähr zehnmal pro Woche fahre ich in an dieser Stelle vorbei. Je fünfmal morgens und nachmittags. Eine große Kreuzung, typisch hamburgisch, unübersichtlich, eine Mischung aus U-Bahnhof, Gehweg, Radweg und Straße. Und Bushaltestelle. Und Einkaufsmeile. Und Ärztezentrum. Und allem, was sich sonst noch so in und auf wenige begehrte Quadratmeter der innenstadtnahen Fläche quetschen lässt. Während ich nachmittags, auf dem Heimweg, an dieser Kreuzung stehe und mich frage, ob die grünen LED-Lämpchen der angeblich verkehrsregelnden Lichtsignalanlage defekt sind, beobachte ich erschreckend regelmäßig die scheinbar blinden Rechtsabbieger, die nicht nur meinem Fahrzeug beängstigend nahe kommen, obwohl ich dieses bereits vorausschauend einen Meter von der Haltelinie entfernt zum Stehen brachte, sondern die sich darüber hinaus auch Fußgängern und Radfahrern gefährlich nähern. Ja, blind und rechts finden gerne zueinander. Und gefährlich ist diese Zusammenkunft nicht nur im politischen Kontext. Macht die Augen auf, rufe ich gedanklich, wenn ich wieder einmal Zeuge eines Beinahe-Unfalls werde. Gerichtet an die blinden Autofahrer und diejenigen, die ihre Gesundheit riskieren, nur um ihr Recht auf Vorfahrt zu demonstrieren.

In der letzten Woche befand ich mich erstmals, nach einigen Wochen Zwangspause, wieder auf dem nachmittäglichen Heimweg. Die besagte Kreuzung erreichte ich dabei jedoch nicht. Eine Straßensperre leitete den Verkehr um. Die Augen der anderen Autofahrer weit aufgerissen, um vielleicht einen kurzen Blick auf die Ursache der Straßensperre zu erhaschen. Ihr Idioten, dachte ich. Erst fahrt und lauft ihr mit geschlossenen Augen durch die Gegend und wenn etwas passiert ist, könnt ihr nicht genug davon sehen.

Am nächsten Tag stand ich wieder an der Kreuzung. Den Blick zum Mast der Fußgängerampel gerichtet. Blumen und Kerzen beantworteten alle Fragen. Doch sie veränderten nichts. Alles wie immer. Der nächste Beinahe-Unfall. Und Menschen, die mit geschlossenen Augen an dieser Stelle vorbei liefen – den Blumen und Kerzen keines einzigen Blickes gewürdigt.