Neues Jahr, neues Stöckchen

Mir wurde tatsächlich ein Stöckchen zugeworfen. Ein Stöckchen in Form einer Nominierung für eine Award-Verleihung. Vielen Dank dafür an wortgerinnsel. Was Stöckchen betrifft, ähnle ich ein wenig meinem Hund. Man muss sie mir daher nicht nur zu-, sondern am besten direkt an den Kopf werfen, damit ich sie überhaupt wahrnehme. In diesem Fall war es der Referrer, der mich aufmerksam machte. Es traf mich einst aber auch (fast) ein (neuer) Schuh meiner Exfreundin, als ich sie ratlos betrachtete und mich (und sie) fragte, was mir denn an ihr auffallen sollte.

An einem schmerzhaften Kopf-Treffer bin ich jetzt nochmal vorbei gekommen, hebe das Stöckchen auf und freue mich über die Nominierung. Auch wenn es nie zur realen Verleihung des Versatile Blogger Awards kommen wird. Aber das ist ja egal. Wer will schon etwas verliehen bekommen? Nicht ohne Grund wird auf den Covern diverser Hollywood-Blockbuster so gerne mit den 7-Oscar-Nominierungen angegeben. Dass dem enthaltenen Film diese Oscars niemals verliehen wurden, interessiert nicht. Es interessierte meine Lehrer schließlich auch nicht, dass ich lediglich für einen Schulverweis nominiert war, diesen aber nie verliehen bekam.

Bevor ich mir Gedanken darüber mache, wie ich die neue Award-Nominierung am auffälligsten in den Titel meines Blogs einbinden kann, muss ich mich der Aufgabe stellen, der Nominierung gerecht zu werden. Obwohl das ja eigentlich gar nicht mehr nötig ist, schließlich wurde ich bereits nominiert. Es bekommen doch auch keine Filme den Oscar verliehen, die noch gar nicht gedreht wurden, nur um hinterher zu beweisen, dass die Vorab-Preisverleihung berechtigt war. Vielleicht wäre das aber gar keine so schlechte Idee, denn es erzeugt einen gewissen Leistungsdruck. Ich brauche nämlich häufig gerade diesen Druck, um meine besten Leistungen abrufen zu können. So war meine Prüfungsfahrt zugleich meine beste (und einzige fehlerfreie) Fahrt als Fahrschüler. Der „Druck“ der Abschlussprüfung ließ mich meine Ausbildung als Jahrgangsbester beenden und meine Präsentationen sind besser, je weniger Vorbereitungszeit mir zur Verfügung steht.

Ob der Druck, den die Nominierung für den Versatile Blogger Award mit sich bringt, von Vorteil ist, wird sich zeigen. Die Annahme des Awards ist nämlich mit der Verpflichtung verbunden, sieben persönliche Fakten preiszugeben. Das setzt mich zwar auch unter Druck, aber auf eine andere Weise. Jetzt kann ich nicht mehr mit Stressresistenz oder Fachwissen glänzen – jetzt geht es um die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung. Zum Glück wird nicht nach sieben Charaktermerkmalen gefragt, denn damit wäre ich gänzlich überfordert. Wie würden Freunde Sie beschreiben?, lautete mal die Worst-Case-Frage in einem Vorstellungsgespräch. Den Job habe ich übrigens nicht bekommen. Aber es geht ja nur um 7 Fakten, nicht um Selbstbeschreibungen oder gar das Äußern von Gefühlen. Glück gehabt.

Versatile – vielseitig. Ich soll also für meine Vielseitigkeit ausgezeichnet werden. Vielseitigkeit könnte man sogar fast als einen Fakt über mich durchgehen lassen. Aber das wäre zu einfach und einfach liegt mir wirklich gar nicht. Mein damaliger Englischlehrer hat wahrscheinlich noch heute Albträume von mir und meinen langen, verschachtelten Sätzen. Er riet mir nach jedem Test und nach jeder Klausur, kürzere Sätze zu schreiben. Lieber viele fehlerfreie, als wenige fehlerreiche. Natürlich hatte er recht. Doch ich konnte es nicht. Wie sehr ich es auch probierte, ich war nicht dazu in der Lage, konsequent kurze, aussagekräftige Sätze zu verfassen. Immerhin gelang es mir im Laufe der Zeit, die Fehlerquote deutlich zu senken – so sehr, dass mein Lehrer mich letztendlich nicht mehr bat, auf kurze Sätze zu setzen.

Oft entsteht der Eindruck, diese Awards seien bloß eine modernere Form von Kettenbriefen. Kettenbriefe lassen jedoch meist keinen eigenen Inhalt zu, sondern nur das lästige Weiterreichen eines vorgegebenen Textes. Sie ergeben also überhaupt keinen Sinn, jedenfalls keinen, der sich mir erschließt. Blogger-Awards hingegen bieten die Möglichkeit, im vorgegebenen Rahmen, etwas Eigenes daraus zu machen. Man kann sie individualisieren. Zwar bin ich in der Regel gegen Trends und schwimme lieber gegen den Strom, als das zu tun, was andere tun oder erwarten, aber das bedeutet ja nicht, dass keine Ausnahmen erlaubt sind. Es geht mir viel mehr darum, dass die Anderen nie der Grund dafür sein sollten, selbst etwas zu tun. Ich habe mir nie Pokemon-Karten und Schuhe mit 20cm dicken Sohlen gekauft, weil ich es total bescheuert fand, woran ihr Auftreten als Modeerscheinung nichts ändern konnte. Wenn das neue Amy Macdonald Album auf Platz 1 der Charts landet, kaufe ich es mir aber trotzdem. Weil mir ihre Musik gefällt – nicht weil es so viele andere ebenfalls kauften. Deswegen nehme ich Blogger-Awards und Stöckchen gerne entgegen. Es macht mir Spaß, mitzumachen, daher interessiert mich nicht, ob sie eine Massenbewegung oder vollkommen verhasst sind.

Einen Punkt gibt es aber dennoch, der mich an Blogger-Awards stört. Regeln. Sie zwingen mich dazu, etwas zu tun oder eben nicht zu tun. Sie schränken meinen Handlungsspielraum ein und geben den Rahmen vor, in dem ich mich bewegen darf. Rauchverbot auf dem Schulgelände. Keine Internetnutzung am Arbeitsplatz. Tempo 120 auf der Autobahn. Regeln, Regeln, Regeln. Allerdings wäre es ohne sie ziemlich langweilig, denn wo bliebe der Reiz der Regelverstöße, wenn es keine Regeln gäbe. Nicht, dass es falsch verstanden wird. Selbstverständlich habe ich nie auf dem Schulgelände geraucht, niemals am Arbeitsplatz das Internet genutzt und noch die vorgegebene Höchstgeschwindigkeit überschritten! Doch muss ich wirklich exakt 7 Fakten nennen, wenn ich den Versatile Blogger Award annehme? Und muss ich tatsächlich 15 weitere Blogs nominieren? Kann ich mir die Nummerierung der Fakten nicht einfach sparen und euch stattdessen fragen, wie viele ihr gezählt habt? Kann ich nicht auf die Nominierung weiterer Blogs verzichten, weil die, die ich unter Umständen nominiert hätte, bereits nominiert wurden oder mir vor Verärgerung über den Stöckchenwurf einen ganzen Baum entgegen schmeißen würden?

Wer darf mit ins Bett?

Es ist mal wieder an der Zeit für die Teilnahme an einer Blogparade. Sie ist mir bereits auf einigen Blogs begegnet, bisher konnte ich mich aber noch nicht zur Teilnahme durchringen. Jetzt rückt mit dem 07. Januar die Deadline näher und bevor ich die Chance endgültig verpasse, wage ich mich doch noch an das Thema heran und präsentiere euch meine 6 fi(c)ktiven Figuren fürs Bett, nach denen die Singende Lehrerin fragte.

In den Beiträgen, die ich bisher dazu gelesen habe, dominieren die Nennungen männlicher Charaktere. Also ein weiterer Grund teilzunehmen und sexchs weibliche Figuren zu nennen. Zwei kamen mir sofort in den Sinn, für die weiteren vier musste ich ein wenig durch meinen Film- und Serienverlauf der vergangenen 15 Jahre wühlen. Dabei muss ich allerdings aufpassen, denn es wird ausdrücklich nach Figuren gefragt, die man zwar nicht von der Bettkante stoßen würde, die aber keinesfalls etwas für eine ernsthafte Beziehung wären.


Hannah McKay (Yvonne Strahovski) in Dexter

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Hannah McKay ist definitiv eine dieser Figuren. Mysteriös, intelligent, gefährlich und dabei irgendwie sehr anziehend. Man weiß, man sollte sich von ihr fern halten, aber es geht einfach nicht. So wickelte sie nicht nur Dexter um den Finger, sondern auch mich. Und sie ist definitiv nichts für eine ernsthafte Beziehung. Ich würde sogar bereits vor dem Frühstück verschwinden, wenn ich es noch kann. Wer weiß, was sie mir in den Kaffee mischt…


Sarah Manning (Tatiana Maslany) in Orphan Black

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Sarah Manning ist kämpferisch, wild und auf eine spezielle Weise doch sehr sensibel. Eigentlich ist es ja gemein, bei dem, was sie durchmacht, darüber nachzudenken, ob man sie „von der Bettkante“ stoßen würde. Aber es beruht ja auf Gegenseitigkeit. Etwas ernsthaftes ist ebenfalls nicht drin, dafür ist sie nicht nur zu sehr mit anderen Dingen beschäfigt, sondern mir vermutlich doch eine Spur zu aufgedreht.


Elizabeth Keen (Megan Boone) in The Blacklist

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Elizabeth Keen ist eine junge, sympathische Profilerin des FBI, die so viel Zeit mit ihrem Job verbringt, dass an eine ernsthafte Beziehung sowieso nicht zu denken ist. Außerdem würde sie mich dauernd analysieren. Also noch intensiver, als Frauen es sowieso schon tun. Doch wenn sie schon auf der Bettkante sitzt, läge es mir fern, sie dort herunterzuschubsen.


Maya Lambert (Jessica Chastain) in Zero Dark Thirty

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Vom FBI zur CIA. Von der „Profilerin“ zur „Analystin“. Offensichtlich haben Frauen in solchen Rollen eine besondere Wirkung auf mich, gerade wenn sie diese Stärke ausstrahlen und trotz aller Hindernisse nicht aufgeben. Kommen dann auch noch rote Haare hinzu… ach ja… Zum Heiraten muss ich mir jetzt wohl eine andere Figur aussuchen, die von Jessica Chastain gespielt wird.


Dr. Allison Cameron (Jennifer Morrison) in Dr. House

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Es gibt tatsächlich eine „Lieblings – Frage“, die ich beantworten kann: Nämlich die, nach meinem Lieblings-Serienarzt. Das ist zweifelsfrei Dr. House. Ihn möchte ich allerdings nicht in meinem Bett antreffen. Dort wäre mir meine Lieblings-Serienärztin definitiv lieber: Dr. Allison Cameron. Ihr Chef sagte zwar regelmäßig, er habe sie nur wegen ihres Aussehens eingestellt, aber wer es solange mit einem solchen Chef aushält (und auch nicht gefeuert wird), hat deutlich mehr auf Lager, als nur „gutes Aussehen“.


Libby / Blitzie (Ellen Page) in Super – Shut Up, Crime!

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Also gut, eine „Superheldin“ schafft es dann auch noch mit ins Bett in diesen Beitrag. Eine, sagen wir, etwas verrückte Figur. Aber irgendwie auch liebenswert. Und dieses Superheldenkostüm steht ihr verdammt gut.


Das waren nun meine sechs fi(c)ktiven Figuren fürs Bett. Jetzt hoffe ich nur, dass es unter euch keine Profiler gibt, die die genannten Figuren, Serien und Filme für eine detaillierte Analyse meiner Persönlichkeit nutzen.

Gefangen auf der Straße

Neues Jahr, neues Thema. Hier geht es zu meinem Mitmachblog-Beitrag.

MitmachBlog

Das grelle LED-Licht der Laternen hob den sowieso schon kräftigen Regen nochmals hervor, der, wie ein Künstler im Bühnenlicht, seine Vorstellung präsentierte. Vom Wind angetrieben, trafen die dicken Regentropfen auf die wartenden Menschen und peitschten krachend gegen die Wände und auf das Dach des Haltestellenhäuschens. So laut, dass ich die Musik in meinen Ohren kaum noch hören konnte. Die Reifen des herannahenden Busses drängten das Wasser, welches bereits einige Zentimeter hoch auf der Straße stand, zu den Seiten. Kleine Wellen bildeten sich, die den Bordstein überspülten und die Schuhe der Menschen verschluckten, die sich in Erwartung der besten Sitzplätze an die Stellen quetschten, an denen sie die Türen des Busses erwarteten.

Wie immer, hielt ich mich aus dem Gedränge raus. Sitzplätze sind, sobald eine Belegung von etwa 50% in die Nähe rückt, eine höchst unangenehme Angelegenheit und stets mit dem großen Risiko verbunden, den winzigen Raum zwischen Fenster und Gang mit…

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2016 – Ein Jahr in Musik

Ich habe viele Jahresrückblicke gelesen und es scheint, als seien sich die meisten bezüglich des Fazits einig: 2016 war ein übles Jahr. Ein böses Jahr. Ein Jahr, das man schnell wieder vergessen, am liebsten gänzlich aus dem Leben streichen möchte. Sicher, 2016 hatte seine Tücken. Es nahm mit Bud Spencer einen Helden meiner Kindheit. Mit „Wölli“ den ehemaligen Schlagzeuger einer meiner Lieblingsbands. Es nahm uns große Sympathieträger, wie Fidel Castro und Islam Karimov. Es nahm Menschen, die noch viel zu jung waren. Es bescherte uns die Verbrechen irrer Krimineller, die im Namen schwachsinniger Ideologien unschuldige Menschen töteten. Es setzte Blender der AfD in Landtage und vernichtete langjährige Arbeitsplätze vieler Menschen.

War das Jahr 2016 dadurch tatsächlich schlimmer, als die Jahre zuvor? Oder erscheint es nur so, weil einige der Geschehnisse uns deutlich näher kamen, als wir es gewohnt waren? Weil es uns gezeigt hat, dass Krebs nicht nur anonym zuschlägt, sondern sich auch ins Rampenlicht stellen kann. Weil es den netten Roger Cicero von neben an erwischt hat, anstatt eines mehr für Drogenexzesse, als für Musik bekannten Rockgitarristen? Nizza, München, Ansbach, Berlin – nicht mehr Tel Aviv, Kabul und Bagdad. Lässt uns das Jahr 2016 vielleicht nur so erschrocken zurück, weil es uns unmissverständlich bewiesen hat, dass auch wir verwundbar sind?

Die Punkrock-Band Adam Angst fand bereits im Jahr 2015 passende Worte. Obwohl ich sie gar nicht unbedingt in der typischen „Punk-Schublade“ sehe, sondern einfach für eine deutschsprachige Rockband halte, die klar Stellung gegen Rechtsextremismus bezieht und gerne Missstände kritisiert. Lieder wie Professoren und Splitter von Granaten landeten im letzten Jahr regelmäßig in meiner Playlist. Zweiteres könnte sogar einen Erklärungsansatz dafür liefern, weshalb das Jahr 2016 für viele von uns so schlimm war. Ich denke, der Refrain passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.


Inzwischen spricht das Fernsehen aber immer häufiger auch von diesem Land. Das Jahr 2016 nahm uns die Illusion der Sicherheit. Es riss den großen Schutzwall ein, den wir zwischen uns und der Welt da draußen errichteten. Es konfrontierte uns mit der Wahrheit. Es öffnete uns die Augen und richtete unseren Blick auf das, was wir nicht sehen wollen. Dieses Jahr war insgesamt nicht schlechter, als die vorherigen – es hinterlässt seine Spuren lediglich direkt vor unserer Haustür, anstatt in weiter Ferne, und verursacht dadurch intensivere Gefühle. Auch verstorbene Künstler und Idole von früher sind keine exklusive Erscheinung des vergangenen Jahres. Wie oft sprach mein Opa über die Helden seiner Jugend, von denen kaum noch jemand lebte. Doch anstatt zu trauern, freute er sich darüber, diese Zeiten erlebt zu haben, legte eine alte Platte auf und reiste zurück. So wie Betontod mit ihrem neuesten Titel Ich nehm‘ dich mit, der sich momentan in meinen Gehörgang festgesetzt hat:


Die gute alte Zeit. Aber stimmt das überhaupt? „Früher war alles besser“, eine Aussage, die mich begleitet, so weit meine Erinnerung reicht. Die Gegenwart schien nie gut zu sein. Jahr für Jahr wurde der Vergangenheit nachgeweint. Irgendwann auch den Jahren, die zum Zeitpunkt des Erlebens angeblich noch so schlecht waren. Ich erwische mich mittlerweile selbst häufiger dabei, wie ich mich auf positive Weise an Zeiten erinnere, die mir eigentlich gar nicht gefielen. Allerdings bezweifle ich, dass es daran liegt, dass die Welt immer schlimmer wird (jedenfalls nicht so sehr, dass vergangenes Schlimmes gut wird) . Ich glaube, es ist der Abstand, der die vergangenen Zeiten in ein anderes Licht rückt, die positiven Erlebnisse hervorhebt und über die negativen stellt. Wer weiß, vielleicht sprechen wir in einigen Jahren ganz anders vom „bösen 2016“. Bis dahin können wir weiterhin das hören, was Die Toten Hosen bereits vor 24 Jahren veröffentlichten. Wünsch dir was, eines der Lieder, die seit Jahren regelmäßig in meiner Playlist auftauchen – ohne an Aktualität zu verlieren.


Wenn ich schon dabei bin, durch die Vergangenheit zu reisen, erinnere mich an viele besuchte Konzerte. An meine Liste der größten Künstler, die ich unbedingt live sehen wollte. Stück für Stück arbeitete ich mich durch. Den Auftakt markierte ein Hosen-Konzert in Dortmund. Es folgten AC/DC, Rammstein, Nightwish, Die Ärzte, Alice Cooper, Iron Maiden, Gamma Ray, Manowar und Judas Priest. Womit wir während der Zeitreise doch noch ein negatives Erlebnis erreichen – das schlechteste Konzert, das ich je erlebt habe. Judas Priest. Wie groß war die Erwartung an DIE Heavy Metal Band und wie sehr wurde diese Erwartung enttäuscht. Ich weiß nicht, ob die Akustik der Düsseldorfer Philipshalle daran Schuld war, ob Rob Halford mit Heiserkeit, verstopfter Nase und Fieber auf der Bühne stand oder ob die Band einfach nur einen schlechten Tag erwischte. Meine Ohren beginnen heute noch zu Piepen, wenn ich nur an diesen Abend denke… aber was soll’s, lang ist’s her. Eines der besten Metal-Alben der Geschichte verbinde ich dennoch mit ihnen. Painkiller, auch 2016 einer der Dauerbrenner in meiner Sammlung. Darauf ist auch dieses Stück enthalten. A Touch of Evil:


Zurück ins Jahr 2016, genug in Erinnerungen geschwelgt. Nicht alles war schlecht. Das Jahr hatte auch gute Seiten parat. Zumindest aus persönlicher Sicht. Es ermöglichte mir zehn geniale Tage in Schweden. Zehn Tage des Abschaltens. Einsamkeit, Natur und Gedanken. 2016 brachte ein wenig Licht ins Dunkel der vielen Gedanken, die nicht wissen, wohin die Zukunft führen soll. Aus musikalischer Sicht bescherte uns das vergangene Jahr ebenfalls einige großartige Neuerscheinungen. Metallica meldeten sich nach einer gefühlten Ewigkeit eindrucksvoll zurück. Amy Macdonald kündigte ein neues Werk an und präsentierte zugleich einen neuen Song. Hammerfall, Delain, The Silver Shine, Feuerschwanz, Schandmaul. Und viele mehr. Nebenbei setzte ich meine Entdeckungsreise fort und konnte meine Sammlung um einige Künstler erweitern. So stieß ich unter anderem auf Gin Wigmore. Ihr wisst ja, Singer-Songwriter gehören mittlerweile zu meinem Standardrepertoire. Zwar ist sie seit 2008 aktiv, ihre größeren Erfolge scheinen sich aber noch auf Neuseeland zu beschränken. Meinen Geschmack hat sie definitiv getroffen. Dirty Mercy:


Die eine oder andere Überraschung hat es ebenfalls gegeben. Brexit. Trump. Naja, zumindest taten viele überrascht. Aber es gab ja auch noch den unerwarteten EM-Titel für Cristiano Ronaldo und Portugal, sowie das phänomenale Abschneiden der isländischen Fußballnationalmannschaft. Auch privat gab es die eine oder andere Überraschung, wie die Nachricht eines Freundes, der mitteilte, Vater zu werden. So schnell kann’s gehen. Gerade erst brachten wir in der Berufsschule den Einstieg ins Arbeitsleben hinter uns und nun gründet er seine eigene Familie. Schließlich gab es auch wieder eine musikalische Überraschung, denn es landete eine Künstlerin in meiner Playlist, mit der ich bisher eigentlich nur höchst nervige Popsongs verband: Lady Gaga. Tja, da staunt ihr. Glaubt mir, ich auch. Zur Beruhigung kann ich aber sagen, dass es sich lediglich um einen einzigen Song handelt, der mich überraschend zur Kenntnis nehmen ließ, dass Frau Germanotta offenbar singen kann und eine echte Stimme hat. Million Reasons nennt sich das Stück:


Ein Reizthema zum fröhlichen Diskutieren darf natürlich auch nicht fehlen. Für das vergangene Jahr lautet dieses Thema: Böhse Onkelz. Sie sind die vielleicht erfolgreichste deutschsprachige Rockband und zugleich diejenige, die auf die größte Ablehnung stößt. Im November meldeten sie sich nach mehr als 10 Jahren mit einem neuen Album und einer Tour endgültig zurück. Mir sind sie zur goldenen Zeit der illegalen Musikdownloads erstmals begegnet, als mir jemand eine Rock- und Metal-Zusammenstellung in die Hand drückte. Ihr Album „Eins“ war mit drauf. Harte Rockmusik, provozierende Songs. Genau das, was ein rebellierender Teenager wollte. Die Bestätigung seiner ablehnenden Haltung allen gegenüber, die ihm Steine in den Weg zu legen schienenIm Laufe der Zeit verschwanden sie wieder fast vollständig aus meiner Playlist. Zu viel Pathos, zu viel des gehobenen Zeigefingers, Jammerei versteckt hinter einer vulgären Fassade. Da hilft es auch nicht, dass sie mir rein musikalisch sehr gut gefallen. Irgendwie schade, denn mit einigen hervorragenden Liedern bewies Herr Weidner, dass er durchaus etwas auf Lager hat. Naja, hier gibt es ihr Versprechen (oder ihre Drohung?) zu bleiben:


Das Schlusswort erhält eine Band, deren Sänger ebenso früh aus dem Leben schied, wie manch ein Prominenter es im Jahr 2016 tat. Doch auch heute wird die Welt dadurch genau so wenig untergehen, wie es vor 25 Jahren der Fall war, obwohl ich mir sicher bin, dass das Jahr 1991 für viele Menschen ähnlich melancholisch endete, wie das vergangene. Das Leben geht weiter. Wir lassen uns nicht unterkriegen und uns unser Lächeln nicht nehmen.

Queen – The show must go on:

Keine Vorsätze

Mein letzter Beitrag zum Mitmachblog. In diesem Jahr:

MitmachBlog

Der Jahreswechsel naht und mit ihm auch die alljährlichen Äußerungen diverser Vorsätze für die nächsten 365 Tage. Die einen entscheiden sich Jahr für Jahr für den Klassiker und wollen mit dem Rauchen aufhören, andere wollen weniger Alkohol trinken oder endlich ihren Keller entrümpeln. Alle wollen irgendetwas verändern, abstellen oder etwas Neues beginnen. Nur bloß nicht so weitermachen, wie bisher. Stichtag 01. Januar.

Mehr Sport treiben oder sich überhaupt mal ein wenig bewegen. Die Ernährung umstellen und etwas für das körperliche Wohlbefinden tun. Bestätigt wird dieses Vorhaben durch die aus Blei gegossene Moralkeule, die ganz undiplomatisch zu verstehen gibt, dass nach der Inhalation der giftigen Bleidämpfe tatsächlich etwas für die eigene Gesundheit getan werden sollte.

Jeder erzählt von seine festen Entschlüssen, von wichtigen Veränderungen und den Dingen, die endlich in Angriff genommen werden (sollen). Dann bin ich an der Reihe.

Vorsätze. Was soll dieser Quatsch? Nicht falsch verstehen, Vorsätze sind grundsätzlich etwas sinnvolles und es ist…

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Das große Wischen

Als Single kommt man ab und zu auf komische Ideen. Wie zum Beispiel die Installation einschlägiger Smartphone-Apps, mit deren Hilfe sich die große Liebe finden lassen soll. Oder die kleine Liebe für Zwischendurch, wenn gerade ein Match in der Nähe ist. Oder gar keine Liebe, sondern lediglich die erwartete Erkenntnis, mit solchen Apps genau so viel zu erreichen, wie in Atomausstiegsverhandlungen mit Nordkorea.

Das Prinzip dieser Apps ist im Grunde immer das gleiche und es erinnert an ihre Vorgänger, die großen Internet-Partnerbörsen, für deren Nutzung noch richtige Computer benötigt wurden. Ja genau, diese großen Kisten und faltbaren Teile, die in keine Hosentasche passen. Die Apps sind der noch abgestumpftere Ableger dieser Portale. Gilt es am PC, wenigstens aussagekräftige Profiltexte zu verfassen, geht es spätestens am Smartphone nur darum, sich mit einem einzigen Foto so zu präsentieren, dass das Gegenüber das Bild nach rechts wischt und vor lauter Liebeskummer sehnsüchtig auf die Benachrichtigung über den Treffer wartet. Diesen Treffer gibt es allerdings selten. Vielleicht liegt es daran, dass das eigene Bild, das einen in Jogginghose, mit Sonnenbrille auf und Bierdose in der Hand, zeigt, ein wenig unvorteilhaft wirkt. Vielleicht liegt es auch daran, dass man eines der Fakeprofile nach rechts gewischt hat, die eigentlich zu kostenpflichtigen Super-Likes animieren sollten. Was mich dennoch etwas überrascht, da ich gerade diese Fotos meist vor Schreck nach links wischte, weil ich dachte, ich sei in einem Porno-Casting gelandet. Ein Super-Like ist nämlich sowas wie ein Heiratsantrag an fremde Menschen, der ohne den lästigen Umweg über das Standesamt zur sofortigen körperlichen Vollziehung der Ehe führen soll. Da ich diese teuren Zusatzfunktionen grundsätzlich nicht nutze, kann ich euch nicht sagen, wie hoch die Erfolgsquote ist. Ich schätze sie ähnlich hoch ein, wie die Chance, von einem nigerianischen König 50 Millionen Euro geschenkt zu bekommen.

Aber es geht ja um das Wischen. Ein Wisch und weg. Smartphone-Dating ist sozusagen das soziale Küchentuch, mit dem die letzten Gefühle aufgesaugt und im Abfalleimer entsorgt werden. Dabei spielt es nicht mal eine Rolle, ob wir das emotionsgeladene Küchentuch im linken oder rechten Behälter verschwinden lassen. Denn werfen wir es nach rechts, nimmt die nächste Person es dort heraus, schmeißt es endgültig in den linken Eimer und beendet die Illusion der Liebe auf den ersten Wisch. Ich muss an dieser Stelle zugeben, selbst ebenfalls sehr häufig nach links gewischt zu haben – schon alleine aus Trotz über die vielen Selfies, die wirken, als wollte sich die abgebildete Person in eine Selfie-Form quetschen. Weit aufgerissene Augen, als sei sie beim Betätigen des Auslösers auf einen Reißnagel getreten. Dazu der gespitzte Mund, den Kopf leicht angewinkelt, den rechten Arm schräg nach oben ausgestreckt (ja, es erinnert ein wenig an veraltete Grußzeichen) und zu allem Überfluss gewährt der Spiegel sogar einen tiefen Einblick ins unaufgeräumte Schlafzimmer. Toller erster Eindruck. Wisch. Und weg.

Kann das überhaupt ein erster Eindruck sein? Was sagt so ein gestelltes Foto schon aus? Ohne Mimik (ich bin noch nicht sicher, ob Duck Face und Fish Gape darunter fallen), ohne Gestik. Ohne Gerüche, ohne Stimmen. Ohne Gefühle. Ohne die kleinen Details. Ohne den Hauch von Individualität. Ein paar Pixel, dargestellt auf dem Display des Mittelpunkts des Lebens. Kalt und distanziert.

Selbst wenn es zu einem Match kommt und die präsentierten Werbefotos offensichtlich nicht zu sofortiger gegenseitiger Ablehnung führten, stellt sich die Frage: Was nun? Ein App-Chat ist nicht vergleichbar mit dem, was man einst in den großen Chatrooms darunter verstand. Dort gab es öffentliche Unterhaltungen, an denen man sich beteiligen und jemanden entdecken konnte, dessen Worte Interesse weckten, aus denen schließlich der private Chat resultierte, in dem man sich dann auch etwas zu schreiben hatte. Ein privater Chat, für den man sich Zeit nahm und auf den man sich voll und ganz konzentrieren konnte. Der App-Chat hat auch nichts mit dem Gespräch an der Bar zu tun, bei dem sich die Themenauswahl situationsabhängig treffen lässt und das sogar trotz unglücklich gewählter erster Worte gerettet werden kann, weil das echte Miteinander einen ganz anderen ersten Eindruck zulässt. Ist der erste Satz in der App zu einfallslos, zu aufdringlich, zu abgegriffen, zu doof, zu kurz oder zu lang, kommt das Küchentuch zum Einsatz und der Treffer wird nach links ins Jenseits gewischt.

So wie die App. Ein Wischer zum kleinen Abfalleimer am oberen Bildschirmrand. Ja, ich bin mir sicher. Deinstallieren.

Ein ganz normaler Heiligabend – Teil 3

„Sie wissen, dass Ihre Waschmaschine noch läuft?“, schallt es mir schrill entgegen. „Na klar, die habe ich ja auch selbst eingeschaltet“. „Das ist aber schon vier Stunden und elf Minuten her!“, klärt sie mich auf. „Super, dann ist sie fast fertig“, antworte ich. „Also in der Zeit schaffe ich die dreifache Menge“, sagt sie. Puh, Nachbarn können wirklich lästig sein. „Gleich stecke ich Sie in meinen Hochofen“, denke ich. „Danach ist Ihre Wäsche aber noch nicht trocken“, sage ich. „Sie wissen aber, dass man das an einem Feiertag nicht darf“, meckert sie weiter. „Aber sicher doch, deshalb mache ich es ja heute“. Ihr Vortrag ist noch immer nicht gestoppt: „Sie wissen aber, dass es gefährlich ist, eine Maschine so lange unbeaufsichtigt zu lassen?“. „Ich kaufe nur hochwertige Geräte. Da kann nichts passieren“„Was ist denn das für ein Rauch in Ihrer Wohnung?“.

Ja, hätte ich mir mal einen Ofen mit automatischer Garzeiterkennung und Inhaltszustandsüberwachung gekauft. Der hätte diesen komischen Vogel perfekt zubereitet und sich anschließend eigenständig abgeschaltet, das Fleisch portioniert, auf Tellern angerichtet, den Gästen serviert und sich zum krönenden Abschluss sogar selbst gereinigt, das benutzte Geschirr eingesammelt und den Abwasch erledigt. Ofen 4.0. Smart Cooking. Da können Vorwerk und der kochende Staubsauger einpacken. Jetzt bleibt mit aber nur das erneute Aufreißen aller Fenster, um endlich auch die letzten gasförmigen Überreste der Gans ins Freie zu befördern. Während weihnachtliche sieben Grad warme Luft in die Wohnung strömt, stelle ich ein paar Töpfe, einen Bräter und eine Pfanne in die Spüle, damit es gleich so aussieht, als hätte ich die Tandoori-Ente selbst zubereitet. Vorausgesetzt, der Lieferdienst trifft vor den Gästen ein.

Und da klingelt es auch schon wieder. Leider verrät die Art des Klingelns sofort, dass es sich definitiv nicht um den Lieferservice handelt. Ihr kennt es bestimmt, dieses Klingeln, als sei der Besuch von der langen und anstrengenden Fahrt so müde, dass er vor der Haustür einschläft und sich so lange mit dem Zeigefinger auf dem Klingelknopf abstützt, bis ihn das Klacken des Türöffners aufweckt. Natürlich schafft er es im Halbschlaf nicht rechtzeitig, die Tür zu öffnen. Erneutes Klingeln, mit dem gravierenden Unterschied, dass man jetzt genau neben dem Türgong steht. Tja, wenn das Radio nicht für den Hörsturz sorgt, dann eben die Verwandtschaft.

Mit „Was riecht hier so verbrannt?“ und „Warum ist es hier so kalt?“ werde ich begrüßt. So sind sie, die lieben Großeltern. Stets ehrlich und direkt. „Hat deine Mutter versucht zu kochen?“. „Nein. Ich.“ „Das hast du von ihr“. „Danke“. 

19:52 Uhr

Von wegen, eine Stunde Lieferzeit. Inzwischen sind alle Gäste eingetroffen und die, die noch nicht verhungert sind, warten weiterhin mit mir auf das seit 90 Minuten überfällige Abendessen. Bei meinem letzten Anruf, vor 25 Minuten, wurde mir versichert, das Essen sei auf dem Weg. Wohin die vier vorherigen Bestellungen geliefert wurden, die angeblich gerade eben das Haus verließen, weiß ich nicht. Zu mir jedenfalls nicht. Aber wir sind ja geduldig und können warten. Das habe ich als Kind gelernt. Jedes Jahr an Heiligabend. Warten. Warten. Warten. Bis auch die letzte Person den Rest ihrer siebenundzwanzigsten Portion des Nachtisches aus dem Schälchen kratzte und es endlich zur Bescherung kam.

Der Hunger lässt sich währenddessen mit Keksen, Stollen, Makronen, Mandeln, Walnüssen, Lebkuchen, Früchtebrot, Spekulatius, Marzipan, Pfeffernüssen und Printen gut in Schach halten. So gut, dass sich langsam ein gewisses Sättigungsgefühl einstellt. „Schalte doch bitte mal das Radio an“, ertönt es inmitten der gefräßigen Stille. Gesagt, getan, und schon schallt die besinnliche Kraft der Liebe durch den Raum. Ich muss kurz würgen, weiß nicht, ob es an den dreißig Makronen liegt oder an diesem Song. Doch das Radio setzt noch einen oben drauf. Wie sollte es auch anders sein, natürlich schaltete ich es zum perfekten Zeitpunkt ein, um mich, wenn ich der Anmoderation glauben darf, mit dem fünfzigsten Play des Tages des ultimativen Weihnachtssongs „Last Christmas“ foltern zu lassen.

Jetzt habe ich wieder diesen Ohrwurm. Ich greife zum Küchenbeil und singe mit:

Und darum tret ich dein Radio ein
Und darum hack ich dein Radio klein
Und darum schmeiß ich dein Radio an die Wand
Und darum zünd ich dein Radio an
Und dein Radio brennt
Und dein Radio brennt

Die Ärzte – Radio brennt

Das Klingeln an der Tür reißt mich aus meinem Rausch. Oma fegt die Trümmer des Radios zusammen, während ich die Tür öffne und das lang ersehnte Essen in Empfang nehme. Zum Glück liegt das Weihnachtsgebäck noch schwer im Magen, denn bereits beim Öffnen der in altem Pflanzenfett getränkten Aluminiumschalen wird klar, dass unsere Bestellung offensichtlich tatsächlich bereits vor drei Stunden die Küche des Restaurants verließ. Oder stand in der Karte etwas von „kalter Küche“? Das Aufwärmen mit Hilfe gesundheitlich vollkommen unbedenklicher Mikrowellenstrahlung bringt keine Besserung. Zwar ist der undefinierbare beige- bis khaki-farbene Brei jetzt heiß, an dem, was vermutlich das Entenfleisch sein soll, beißt man sich jedoch die Zähne aus. Zäh wie Gummi. Jetzt ergibt der Stern auch einen Sinn. Der wird schließlich von Michelin vergeben und die bewerten keine Restaurants, sondern stellen bekanntlich Reifen her.

Wie gut, dass meine Großeltern an das Gebäck gedacht haben. Warme Festtagsmahlzeiten werden sowieso maßlos überbewertet. Also was soll’s, dann befüllen wir eben die Abfalleimer. Nachdem Opa nun endlich sein Gebiss aus der Gummi-Ente befreien konnte, kommen wir zur Bescherung. Ich ahne bereits fürchterliches, denn ich sehe gerade, dass ich die Umschläge vertauscht habe. Der Hörbuch-Gutschein für meinen schwerhörigen Opa ist vermutlich genauso angebracht, wie der Brillen-Gutschein für meinen dreizehnjährigen Neffen. Und ob Oma überhaupt weiß, was Serien-Streaming in Full-HD und 4k ist, wage ich ebenfalls zu bezweifeln. „Naja, ihr könnt die Karten natürlich untereinander tauschen…“, sage ich leicht verlegen.

Achja, ich muss auch noch etwas auspacken. Was haben wir denn da? Oh, einen Single Malt. Ich öffne die Flasche, leicht torfiger Geruch strömt heraus, ich setze an und trinke einen kräftigen Schluck. Und noch einen. Und…

Ich wünsche allen ein schönes Weihnachtsfest!